Freitag, 22. März 2013

Die Sache mit dem Bauchgefühl

Durch verschiedene Blogger bin ich auf die sehr spannende Aktion Einfach20Tage aufmerksam geworden.
Viele bewegt in diesem Zusammenhang die Frage "Warum braucht man so ein Projekt? Das ist doch der ganz normale Umgang mit einem Baby!" 

Das mag so sein und doch findet jede Familie ihren eigenen Weg das Beste für ihr Baby und ihre Kinder zu geben.

Und so möchte ich euch gern erzählen, wie unser Weg zur Familie war. Ich betone, dass es unser Weg ist und keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat. Was uns als Familie und mich als Mutter glücklich und damit auch die Kinder zufriedener gemacht hat, muss nicht für alle Familien gelten. Aber vielleicht bekommt ja auch ihr Lust von euch zu erzählen? Ich würde mich freuen von euch in den Kommentaren oder auf eurem Blog zu lesen :)


Als ich mit der Großen schwanger wurde, waren wir die ersten in unserem Freundeskreis, die eine Familie gründeten. Wir hatten keine Vorbilder, keine Vorstellungen, keine Vorsätze. Wir haben keinen Babyratgeber gelesen und dachten, dass sich alles fügen wird. Schließlich waren wir nicht die ersten auf dieser Welt, die ein Kind bekamen. Wir würden unser Kind lieben, für es da sein, ein Leben lang.
Mehr hatten wir nicht vor.


Die Geburt der Großen war eine schnelle, leichte Klinikgeburt mit nichtsdestotrotz miserabler Betreuung. 
Auch die Wochenbettstation war einfach nur trist, nicht babyfreundlich, wie überall angekündigt worden war. Schon am ersten Tag hatte mein Kind ungefragt einen Nuckel und eine Flasche im Mund.  Ich vertraute, wie so viele junge Mütter, dem Krankenhauspersonal und konnte die Große aufgrund einer ausgeprägten Saugverwirrung niemals stillen. Alle Bemühungen waren umsonst und ich verbrachte jede Menge deprimierende Zeit mit der Milchpumpe. Die Große war ein 24h-Baby und mein Mann unter der Woche auf Montage. Sie schrie viel, ich konnte sie kaum ablegen, sie schlief ausschließlich in meiner Gegenwart ein und nicht zuletzt hasste sie den Kinderwagen. Ich bewegte den Kinderwagen jedesmal ruckartig vorwärts, bis die Große schlief. Ich verbrachte am Abend Stunden am Bett der Großen bis sie schlief, schlich mich aus dem Schlafzimmer, nur damit sie wenige Minuten später wieder weinend wach wurde.

Wir versuchten es mit Osteopathie, mit Homöopathie und Zu-Bett-Geh-Ritualen. Nichts half.
SO hatte ich mir das nicht vorgestellt! Ich fühlte mich fürchterlich, unfähig, überfordert.

Wochenendfamilie 2007.
Nach drei anstrengenden Monaten kam ich, ich kann gar nicht mehr sagen wie und wo, zum Tragen. Ich bestellte mir einen ergonomische Tragehilfe und probierte sie aus. Zu Anfang sehr vorsichtig, ich hatte den Kinderwagen trotzdem immer dabei, für den Fall der Fälle. Doch je mehr Tragerfahrungen wir sammelten, desto sicherer wurden wir und trugen nach einer Weile ausschließlich. Es war ein großartiges, selbstbewusstes Gefühl, dass mein Baby in der Öffentlichkeit und auch zuhause nicht mehr (gefühlt) permanent weinte. Endlich wusste ich, wie ich meinem Baby helfen konnte, die Welt besser zu verarbeiten und uns beiden Sicherheit zu geben. Der Kinderwagen wurde eingemottet und ich entdeckte meine Leidenschaft für Tragehilfen. Eine Trage für jede Gelegenheit sozusagen

Die Große 2007.

Das Einschlafproblem am Abend blieb. Die gesellschaftliche Konvention, dass das Kind im eigenen Bett schlafen sollte und auch lernen müsse, allein einzuschlafen, steckte tief in uns. Aber unsere Tochter hatte andere Bedürfnisse, die sie jeden Abend weinend einzufordern versuchte. Und nach etwa sieben Monaten warfen wir die ersten Zweifel über Bord und begleiteten sie jeden Abend ohne Kompromisse in den Schlaf. Wir schaukelten, sangen und hielten Händchen. 
Bis zum letzten Schritt des gemeinsamen Familienbettes dauerte es jedoch noch einige Zeit und für uns auch tatsächlich viel Überwindung. Werden wir unser Kind auch wirklich nicht erdrücken? Wird es denn "unser" Bett auch wirklich irgendwann wieder verlassen? Werden wir noch genug Platz haben? und was wird die Familie sagen???

Die Große in "unserem" Bett 2009.
Als die Große etwa 2 jahre alt war, hatte sich das Familienbett nach und nach etabliert. Die Große musste nicht mehr jeden Abend darauf hoffen, bei uns schlafen zu dürfen. "Unser" Bett wurde zum Familienbett - ganz selbstverständlich.  Alle Ein- und Durchschlafprobleme hatten sich in Luft aufgelöst und wir alle waren zufrieden. Wir hatten unseren Weg gefunden.

Als wir kurze Zeit später die Kleine erwarteten las ich zum ersten Mal einen Babyratgeber und wünschte mir, ich hätte es schon viel eher getan: "In Liebe wachsen" von Carlos Gonzáles. Hätte ich das Buch eher gelesen, hätte ich mich von Anfang an auch bei der Großen sehr viel sicherer gefühlt. Dieses Plädoyer für unsere Kinder, auch im modernen Zeitalter, hat mir sehr gut getan.


Beim zweiten Kind haben wir uns schon im Vorfeld sehr viel mehr Gedanken gemacht. Diesmal wollten wir optimale Startbedingungen für uns alle und planten eine Hausgeburt. Wir erweiterten unser Familienbett, damit auch vier Personen Platz darin fanden und freuten uns riesig. Auf ein eigenes Gitterbett für die Kleine verzichteten wir bewusst.
Leider kam dann doch alles ganz anders, weil die Kleine etwas zu früh, zu leicht und zu klein im Krankenhaus geboren wurde. Sie war gesund und fit, musste jedoch zugefüttert werden. 
Unsere Stillgeschichte habe ich hier schon einmal aufgeschrieben und wir stillten schließlich einvernehmliche 25 Monate. Auch habe ich die Kleine von Anfang an getragen und erweiterte unsere Tragehilfensammlung um ein halbes Dutzend Tragetücher und noch ein paar mehr. Auch diesmal bevorzugten wir alle das Tragen gegenüber dem Kinderwagen, aber der Weg dort hin war so viel weniger nervenaufreibend!

Die Kleine im elastischen Tragetuch 2010.


Das Familienbett teilten wir noch etwa ein Jahr mit beiden Kindern. Kurz vor ihrem vierten Geburtstag zog die Große aus eigenem Antrieb vom Familienbett in ihr Bett im Kinderzimmer, die Kleine schläft bis heute mit uns in einem Bett. Dass das gemeinsame Schlafen jedoch kein Garant für ruhige Nächte ist, zeigt sie uns mit ihren 2einhalb Jahren allerdings jede Nacht aufs Neue. Sie beweist damit außerdem, dass jedes Kind so einzigartig ist, wie es auch Erwachsene sind. Sie schläft am liebsten ganz dicht an ein Elternteil gekuschelt, unter der selben Decke, mit einer Hand voll permanentem Körperkontakt.
Und es IST anstrengend, keine Frage. Wir genießen es nicht ausschließlich, sondern manchmal deckt so viel Nähe auch jeglichen Bedarf nach Körperkontakt. Manchmal wünsche ich mir einfach nur eine ruhige Nacht, ohne mehrmals durch ein nähesuchendes Händchen oder empörtes Kleinkind-Weinen geweckt zu werden. 

Die Große und die Kleine im Familienbett 2011.
Die Kleine im Familienbett 2012.
Aber kann man das Bedürfnis nach Nähe und Wärme wegerziehen? Sollte man das? 
Unser Standpunkt ist und bleibt jener, dass unsere Kinder viel zu schnell groß und selbstständig werden. Dass wir als Eltern unsere Kinder auf diesem Weg, im Rahmen unserer Grenzen und Möglichkeiten,  begleiten werden. Wieviel Zeit sind 3, 4 oder auch 5 Jahre angesichts eines ganzen Lebens?
Und wenn sich in der Nacht wieder ein kleines Händchen unter meine Wange schiebt, dann bin ich auch dankbar dafür. Für meine beiden gesunden Kinder, dafür, dass wir alle glücklich sein dürfen und dass wir haben, was wir brauchen, dass in einigen Jahren vielleicht noch mehr Kinder in unserem Bett schlafen werden und es jedes mal wieder eine Herausforderung sein wird. 
Sicher wird sich auch unsere Rolle als Eltern mit jedem Kind ändern. Man macht neue Erfahrungen, lernt dazu und immer wird sich etwas mehr Normalität und Besonderheit einstellen :)


Habt ihr Lust auch von euch zu erzählen?



Kommentare:

  1. Hallo Halitha!

    ...ich habe ein Lächeln im Gesicht...
    Was soll ich sagen...Mama sein, ohne Anleitung oder Verunsicherung...der eigene Weg?
    Komische Blicke?Fragen wie: richtig?!?Falsch?!?
    Sie werden immer da sein!;-)!

    Ich gebe meinen Mäusen das was sie brauchen!
    Aus dem Bauch heraus...Nähe, Geborgenheit, Sicherheit, Halt!Aber das wichtigste ist die Liebe!

    Schön, daß Du von Deinem Erlebten geschrieben hast!
    Ich hätte mit Dir im ersten Mama Jahr nicht tauschen wollen...
    Nein wir Mamas, wir Eltern, wir als Familie sind nicht perfekt!Aber wir LEBEN Familie !!!

    Und Dein Blogname sagt doch alles!!!;-)!!

    1000 liebe Grüsse und ein wunderbares Wochenende
    Tina

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    1. liebe tina,

      danke für deine worte :) und hab auch dank für die liebe post, die gestern bei uns angekommen ist - so viele tolle schmetterlinge als frühlingsboten!! dake, danke, danke :)

      glg
      halitha

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  2. Danke für diesen tollen Beitrag! Ich bin selbst eine (ehemalige) Tragemutter, die sich mit ihrem Kind lange ein Bett geteilt hat. Bis das Kind beides selbst nicht mehr wollte - ganz entgegen allen Warnungen anderer.

    Wobei ich auch sagen muss - mit etwas über vier Jahren wurde sie dann auch langsam etwas schwer ;)

    Viele liebe Grüße,

    Jasmin

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  3. richtig schöne geschichte!!
    und bei uns war es auch ungefähr das gleiche..unsere große wollte auch die ersten 2 jahre nur bei uns schlafen,was wir ihr auch erlaubt haben.ich fands schön meine maus bei mir im bett zu haben.aber ich fand es auch schön,als sie in ihr eigenes bettchen zog.unser kleiner mann wird am 30.03 1 jahr und schläft auch noch bei uns.wohl im eigenen bettchen.aber bei uns mit im schlafzimmer. auch da freue ich mich,wenn er in sein eigenes zimmer umzieht,werde ihn aber trotzdem auch vermissen.aber das hat noch eben zeit.noch darf er bei uns bleiben, bis er nachts durchschläft. bisher macht er sich immer noch alle 4 stunden bemerkbar.
    ich finde auch,man sollte es so halten,wie es einem damit gut geht.dem kind und einem selber.wenn das kind nach viel liebe verlangt und sie braucht,warum nicht?auch ists noch so anstrengend und wünsche ich mir mal eine nacht einfach mal in ruhe und ohne unterbrechung durch zu schlafen,werde ich es dennoch schmerzlich vermissen,sollten meine kids mich nicht mehr so brauchen.sie werden so schnell groß und so schnell selbstständig..da möchte ich jede minute genießen:)danke für deine geschichte! schön zu wissen,das man damit nicht alleine ist :)

    gglg
    san

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  4. Ich gehöre auch zu der Trage-, Still- und Familienbettfraktion. Ich liebe es. Morgens mit einem Kind kuscheln, die "Gute Morgen Milch" abholen und überallhin getragen werden. Bei meinem Großen hatte ich noch manchmal das Gefühl, ich müsste ihn mal in den Kiwa legen weil "man es so macht". Die Kleine habe ich mit ihren 17 Monaten bislang ausschließlich getragen. Es fühlt sich gut und richtig an. Ich würde es immer wieder so machen, auch wenn es nicht immer der leichteste Weg ist.

    Wirklich schön, Deine Geschichte zu lesen. Sie hat mich berührt.

    lg

    Rosi

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    1. ja, das hast du absolut treffend geschrieben: es ist nicht immer leicht, aber es fühlt sich gut und richtig an :)

      danke!

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  5. Liebe Halitha,

    ich habe manches anders gemacht und doch sind wir einander sehr ähnlich... Gerade in diesen Wochen geht mir das Thema natürlich unter die Haut. Loslassen, ziehen lassen, wegschicken... Ich denke, dass es so viele Wege wie Kinder und Eltern gibt. Aber welche Erfüllung, wenn man den richtigen für sich selbst gefunden hat... Lustigerweise habe ich eben gerade KEINE Babyratgeber gelesen, weil ich auf meine Instinkte vertrauen wollte. Natürlich gab es hier und da Unsicherheiten. Aber im Großen und Ganzen konnte ich ziemlich unbeirrt und unbeeinflusst auf mein Kind hören. Das hat ganz gut geklappt... Danke für Deine lieben Wünsche! Auf bald, Marja

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    1. oh wie schön dass es sie auch gibt - die mütter die auf ihre instinkte hören und es auch beim ersten kind so wunderbar klappt :) ich bin manchmal etwas traurig, dass ich es uns bei der großen zu schwer gemacht habe am anfang, aber auch das gehörte wohl dazu.

      liebe grüße

      halitha

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  6. Danke für deine wunderbaren Worte! Ich glaube, dass macht sehr vielen (vor allem jungen Eltern) Mut einfach auf ihre Gefühle zu hören. Bei uns war es auch so, dass wir bei unserem Großen sehr viele Dinge erst lernen mussten, bzw. den Mut entwickeln mussten unseren Weg zu gehen. So war er einfach ein absoluter Bauchschläfer und schlief auch erst als wir den Mut hatten allen Kindstodwahrnungen zum Trotz ihn einfach auf dem Bauch schlafen zu lassen. Bei unserer Kleinen merkten wir wiederum, wie tolle unterschiedliche Persönlichkeiten Kinder von Anfang an sind. Denn sehr vieles was wir beim Großen gelernt und gemacht hatten, wollte sie gar nicht. So war ein absoluter Tragling und wollte immer eingekuschelt werden zum Schlafen. Ihr war es am liebsten, wenn man sie in Ruhe lies sobald sie müde wurde. Noch heute ist es so, dass sie die Unabhängige ist und er der Vorsichtige, der sich immer rückversichtert, dass wir eh da sind. Ich finde es sehr wichtig einfach auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und ich glaube es gibt bei kleinen Kinder, Babys kein zu viel an Nähe.
    lg
    Anja

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  7. Liebe Halitha,

    spannend, wie Eure Geschichte sich entwickelt hat.
    Gern verfasse ich auch mal einen Beitrag dazu...aber auf dem Blog, denn ich finde es mit Bildern untermalt wie bei Dir sehr schön.

    Hab ich schonmal gesagt, dass ich Bilder mit Babys im Familienbett liiiiiebe???

    Ich mach auch jedesmal eins!
    Es strahlt solch einen Frieden aus...


    Grüssli und danke
    Melli

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    1. ach, da freue ich mich auf deinen beitrag :)

      glg
      halitha

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  8. Nach einer Fehgeburt und einer Totgeburt in der 37. SSW wurde per Notkaiserschnitt unser Sohn geboren. Da ich nach der Vollnarkose nicht stillen durfte hat er auch die Flasche bekommen und lag noch zwei Tage im Brutkasten, bis ich in endlich ins Bett bekam. An Stillen war trotz Mühe nicht zu denken. Nach drei Wochen habe ich aufgegeben. Er hat im ersten Jahr nur geschrien. Das einzige was half war tragen. So habe ich das erste Jahr im Sitzen geschlafen, das Kind auf dem Bauch liegend. Ich habe im Nachhinein keine Ahnung wie ich das gemacht habe. Mein Mann mußte arbeiten und es ging irgendwie. Und im Nachhinein bin ich froh, dass es so gut geklappt hat. Mit 2 war er soweit, dass er ein eigenes großes Bett haben wollte. Er hat in seinem Kinderzimmer geschlafen, ist immer zur gleichen Zeit ins Bettchen, freiwillig, hat das Bett, ausser zur Toilette nicht verlassen und kam morgens fröhlich angelaufen. Was habe ich mir alles anhören müssen: Schreien lassen, ins eigene Bett.... und ich bin froh, das die Hebamme Tag und Nacht erreichbar war und mir immer wieder versichert hat, dass wir alles richtig machen, dieses Baby einfach sehr nähebedürftig ist und irgendwann von allein schlafen wird. Und besonders der Satz: Man kann ein Kind nicht zuviel lieben, hat mir sehr geholfen. Jetzt ist er 15 Jahre alt. Und er ist selbstständig, intelligent und sicher geworden. Man sollte sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Wer kennt sein Kind besser als die eigene Mutter ? Die Ratgeber für Mütter ändern sich mit der Mode. Mal soll es antiautoritär sein, mal autoritär, mal ein Mittelding. Dann ist es wieder modern die Kinder wie Freunde zu behandeln, ein andermal sollen sie im unteren Rang der Familie stehen.... man hat ein angeborenes Verhalten und das paßt zum eigenen Kind. Feierabend.

    Freuen wir uns an diesen kleinen Wesen so lange sie bei uns sind.

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    1. oh je, das liest sich als sehr traurige vorgeschichte... es tut mir sehr leid, dass ihr eine solche erfahrung machen musstet!

      und umso schöner, dass ihr doch die glückliche erfahrung machen durftet und sich euer sohn so prima entwickelt hat :)

      danke, dass du uns an eurer geschichte hast teilhaben lassen.

      glg
      halitha

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  9. liebe halitha,
    danke für deine erzählung und die schööööönen fotos! ich finde es sehr berührend zu lesen, wie ihr euren weg gefunden habt!

    ich bin recht perfektionistisch veranlagt und muss mich mit dingen sehr beschäftigen, damit ich mich gut und gelassen auf sie einlassen kann. ich hab mir also schon vor der geburt so einige gedanken gemacht, wie das bei uns sein wird, mit dem baby, was mir wichtig ist etc. für mich war es wahnsinnig wichtig, eine eigene hebamme zu haben und das baby daheim (oder anfangs noch als option, im geburtshaus) zur welt zu bringen. und es wäre für mich eine katastrophe gewesen, nicht stillen zu können (ich kann mir ein wenig vorstellen, wie es dir erging, denke ich) und es hat zum glück geklappt. wobei ich da über die hausgeburt und unsere großartige hebamme sehr froh war, denn j hat anfangs doch recht viel abgenommen, obwohl er gut getrunken hat. also er hatte nach 2 wochen sein geburtsgewicht noch nicht wieder und da hätte ich im spital sicher stress bekommen. aber die hebamme hat genau hingeschaut, ist ruhig geblieben und hat gemeint, dass manche einfach ein bisschen länger brauchen - nach drei wochen hatte er dann 220 g mehr als bei der geburt. und von da an gings steil aufwärts, mit seinem knappen halben jahr sind´s jetzt bald 9 kilo! huch!

    familienbett haben wir ebenfalls, ich könnte es mir nicht anders vorstellen. und ich bzw. mein liebster tragen auch fast immer, nur manchmal ist der kinderwagen doch ganz praktisch.

    aber ich finde, dass man nicht nur für eine selbstbestimmte schwangerschaft und geburt, sondern auch für ein selbstbestimmtes leben mit baby viel selbstvertrauen und vertrauen in sein (bauch)gefühl braucht. und zeit und geduld, sein kind anzuschauen, um zu spüren, was es braucht, wie es ihm geht. und echt viel mut, dinge anzusprechen oder abzulehnen (das fällt mir am schwersten...).

    alles liebe, selina

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    1. was für schöne und ehrliche worte du gefunden hast - danke!!!
      gerade dein letzter absatz gibt so ziemlich alles wieder, was auch ich gemeint habe :)
      seltsam, dass das manchmal so schwer ist, oder?

      ich komme jedenfalls immer gern bei euch zum lesen vorbei :)

      glg
      halitha

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    2. ach, ich komme auch so gern bei dir und euch vorbei! :)

      ja, du hast recht, irgendwie komisch, dass das manchmal so schwer ist. aber irgendwie auch so verständlich .. man macht das zum ersten mal, jedes kind, jeder mensch ist anders und unvergleichlich ... da darf man ja auch mal unsicher sein, hinterfragen, ausprobieren! finde ich auch wichtig, dass das J mitbekommt, dass seine mama auch nicht immer alles weiß und supertoll und richtig macht! ;)
      liebste grüße, selina

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  10. Also zuallerst muss ich dir mal sagen wie genial ich die Haube finde: Seeehr genial!

    Die allerunnötigste Anschaffung meines Lebens war wohl der Kinderwagen! Wie so üblich haben ihn die Schwiegereltern uns geschenkt, schon ganz früh. Von jemand anderem haben wir ein Tragetuch bekommen. Die Ausfahrten, die wir im Kinderwagen im ersten Jahr gemacht haben, kann man wohl an einer Hand abzählen. Unsere Geburt hat ewig gedauert und dann seeeehr plötzlich mit Kaiserschnitt geendet. Da es sehr rasch gehen musst war die Narbe auch dementsprechend rießig und in den ersten Tagen war es mir überhaupt nicht möglich mein Kindlein zu heben. Als ich nach ein paar TAgen wieder auf den Beinen war - un allein mit dem Zwuck zuhause gings ganz gut - aber Kinderwagen schieben war ein Ding der Unmöglichkeit. Bei uns ist es zimlich hügelig und entweder gings bergauf oder bergab, was im Bauch noch mehr gezogen hat. Tragen im Tragetuch ging aber recht gut. Nun und irgendwie ist mein Zwergerl da einfach nicht mehr rausgekommen. Wozu auch? Es hat uns beiden gut getan.
    Immer wenn ich jetzt jemanden einen Kinderwagen schieben sehe, mit total kleinem Baby, dann denk ich mir: Wir Menschen sind echt komisch! Warum machen wir nciht viel öfter das, was total logisch und "normal" ist. Das neugeborene Menschlein nicht mehr aus der Hand geben, einfach das erste Stückerl ins Leben reintragen.

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    1. wobei es ja auch kinder geben soll, die den kinderwagen tatsächlich mögen. ich persönlich habe noch keins getroffen ;) aber es kann natürlich sein!

      grundsätzlich gebe ich dir absolut recht: das machen, was das herz einem zuflüstert - damit kann man wirklich gar nichts falsch machen :)

      glg
      halitha

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  11. Was für ein schöner, berührender Bericht! Ich freue mich immer wieder, wenn ich Frauen sehe, die die Bedürfnisse ihrer Kinder befriedigen, anstatt auf Ärzte/Familie/Ratgeber zu hören.

    Meine beiden Kinder wurden zu Hause geboren, viel getragen (wenn sie wach waren aber auch mal im Kinderwagen gefahren), und wir schlafen alle zusammen im Familienbett. Ich bin einfach den Weg des geringsten Widerstands gegangen und habe darauf gehört, was mein Großer wollte. Er schlief schon immer schlecht, nahm keinen Schnuller aber dafür Mamas Brust, bis er 2 Jahre und 4 Monate alt war (er hätte gern noch länger, aber ich konnte einfach nicht mehr und war buchstäblich "ausgelaugt" - auch seine eigenen Bedürfnisse sollte man wahrnehmen :-)) und war sehr lebhaft und kein Kind, mit dem man mal so eben entspannt Kaffee trinken gehen kann... mit der Kleinen war es deutlich entspannter, sie schläft gut, lässt sich leichter erziehen, und das Abstillen wegen einer Antibiotika-Behandlung nach 1,5 Jahren Stillzeit hat sie klaglos hingenommen. Beide Kinder haben eine sichere Bindung zu uns, sind lebhaft, selbstbewusst und meistens ausgeglichen.

    Für mich fühlt sich das alles "normal" und "natürlich" an, aber es gab schon Kritik, besonders von meiner Oma, die meinte, man müsse ein Kind auch mal schreien lassen, und mir (besonders vor der ersten) geplanten Hausgeburt die Hölle heiß machte, ich sei verantwortungslos. Komisch nur, dass ich so ziemlich die einzige in meinem Bekanntenkreis mit entspannten Geburten war - ich habe so viele Horrorgeschichten aus dem Krankenhaus gehört. Sehr beeinflusst hat mich das Buch "Geburt und Stillen" von Michel Odent sowie die Hausgeburtsbücher von "Luxus Privatgeburt".

    Die Geburten und die Trage-/Stillzeit war für mich eine wunderbare Zeit, die ich gern noch einmal erleben würde. Aber der Verstand sagt, dass ich mit 2 Kindern mehr als ausgelastet bin :-)

    Liebe Grüße
    von Nicole

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  12. Hallo,
    wirklich tolle/berührende Berichte sind hier zu lesen!
    Aber meine Erfahrung ist ein wenig anders. Aber wie ja schon gesagt wurde, sind alle Kinder anders und man sollte auf deren Bedürfnisse eingehen.
    Ich hatte ein tolle und schnelle Geburt im Krankenhaus. Und eine wirklich tolle Hebamme UND ich fühlte mich wirklich wohl auf der Wochenbettstation! Hatte ich da Glück? Scheinbar wird man nicht in jedem Krankenhaus "abgefertigt". Gott sei dank!
    Ich hatte in der Schwangerschaft viele Ratgeber gelesen und noch viel mehr von Freunden/Familie bekommen. Irgendwann konnte ich das alles nicht mehr sehen und lesen und hab sie beiseite gelegt und war mir einfach sicher, dass ich immer das richtige machen werde. Und so ist es auch. Man hat einfach ein ganz normales sicheres Gespür fürs Kinder großziehen, man muss nur darauf hören. Das müssen wahrscheinlich alle Eltern lernen: dass man das macht, womit man sich wohl fühlt und was für einen selbst und das Kind das Richtige ist!
    Zum tragen habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Am Anfang habe ich viel und gerne im Tuch getragen. Und etwa im 2./3. Monat (ich weiß es gar nicht mehr genau...) wollte die Kleine das partout nicht mehr. Sobald man sie umgebunden hat, hat sie geschrien. Ich wusste nicht was los war... Nun ja, sie fand den Kinderwagen auch von Anfang an gut, weshalb das kein Weltuntergang für uns war. Etwa mit 5/6 Monaten habe ich es wieder probiert sie zu tragen, als sie mal sehr quengelig war und ich nicht weiter wusste. Und siehe da: es gefiel ihr wieder. Also, scheinbar gibt es auch Kinder, die das tragen nicht so ausstehen können. Kann das sein, oder liege ich da völlig verkehrt!?
    Außerdem bewunder ich die Mamas die ihre "großen" Kinder noch lange tragen, denn ich bekomme wirklich Rückenprobleme, wenn ich die Kleine länger trage und sie wiegt nur 7 Kilo...^^ Also: Ich ziehe den Hut vor euch wackeren Trage-Mamas!!!
    Viele liebe Grüße

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  13. Liebe Halitha,

    ein wunderbarer Post von Dir! Danke, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst! Ich habe, anders als Du, vor dem 1. Kind ganz viel gelesen und mir war klar, dass ich Stillen und Tragen und möglichst nach den Bedürfnissen meines Kindes handeln möchte. Ich habe mir ein stillfreundliches Krankenhaus gesucht und mein Baby war natürlich sofort nach der Geburt ausschließlich bei mir, weil ich das so wollte. Die Geburt lief gut und wir waren sehr glücklich über unseren Sohn. Nur über Familienbett war ich nicht so sicher, wegen SIDS, aber ich habe den Kleinen genau 10 min in seinem Bettchen liegen gehabt. Nachdem er da so unruhig war, habe ich ihn zu mir genommen und die Sache war für mich klar. Allerdings war ich sehr fanatisch mit all diesen Dingen und wollte unbedingt alles richtig machen. Ich glaube, weil ich so verbissen war und auch noch aus einem medizinischen Grund, konnte ich nicht voll stillen. Ich habe geweint, als ich dem Kleinen die erste Flasche gegeben habe, habe mich als Versagerin gefühlt und vor allem das Gefühl gehabt, dass ich dem Kind sonstwas antue, wenn ich ihm die Flasche gebe. Die nächsten Wochen waren sehr anstrengend, ich habe gstillt, nachgepumpt, um die Milchbildung anzuregen, das Nachgepumpte zugefüttert, dann noch Babynahrung zugefüttert und dann wieder von vorne angefangen. Ich war sehr gestresst und es war ein Zeit der Belastung für unsere Familie. Dennoch bin ich froh, dass ich ihn 11 Monate teilgestillt habe.
    Getragen habe ich den Kleinen von Anfang an sehr gerne, aber er ist tatsächlich eines der Kinder, das AUCH den Kinderwagen mochte und wir haben auch Ausflüge mit dem Kinderwagen gemacht.
    Unser ältester Sohn ist ein ausgesprochen schlechter Schläfer und wir hatten im ersten Jahr wirklich eine harte Zeit, weil er teilweise alle 45 min aufgewacht ist, trotz Familienbett. Auch wir haben Homöopathie, Ostheopathie und sonst noch was ausprobiert, nichts hat geholfen. Irgendwann sind wir in der Schlafambulanz der Kinderklinik gelandet, weil wir nicht mehr weiter wussten. Mit einem strengen Tagesplan, verkürztem Mittagschlaf und angepassten Schlafenszeiten wurde es dann langsam besser. Heute, mit 4 Jahren, schläft er im eigenen Bett ein, kommt aber immer noch jede Nacht zu uns, das ist auch schön so.

    Mit meinem 2. Kind lief das Stillen viel besser, weil ich mir von Anfang an gesagt habe, dass ich nicht mehr so dogmatisch sein möchte und dass er eben die Flasche bekommt, wenn es sein muss. Und siehe da, es musste NICHT sein. Wir haben 15 Monate gestillt und es lief gut. Mein 2. Sohn wollte nie alleine sein, er hat im Tragetuch gewohnt und ist nie im Kinderwagen gelegen, für mich völlig in Ordnung so. Er ist ein guter Schläfer und schläft mittlerweile im eigenen Bett durch, außer er ist krank. Bis er ein Jahr alt war, hat er bei uns geschlafen, danach haben wir ihn ausquartiert, weil er so wild um sich robbt und mehrmals aus unserem Bett gefallen ist. Er kommt aber jeden Morgen zum Kuscheln.

    Meine kleine Tochter ist auch ein absoluter Tragling und ich genieße sie jede Sekunde. Sie ist ganz ruhig und weint so gut wie nie, solange sie nur bei mir sein kann. Sie schläft Nachts auf oder neben mir. Auch mit ihr klappt das Stillen bis jetzt gut.

    Für mich war die wichtigste Erkenntnis mit meinen Kindern, dass man nicht so verbissen und dogmatisch sein sollte, egal in welcher Richtung. Ich wollte alles perfekt machen und konnte kaum akzeptieren, dass ich den Großen nicht voll stillen konnte. Man muss auch mal loslassen können und das tun, was die Situation erfordert und was das Kind braucht und das ist nicht immer das, was in Büchern steht. Jeder Mensch ist einzigartig und hat einzigartige Bedürfnisse. Ich finde es sehr, sehr wichtig, die Bedürfnisse seiner Kinder zu erkennen. Aber es ist auch wichtig, die eigenen Bedürfnisse nicht völlig zu vernachlässigen, denn ich glaube, um glücklich sein zu können, brauchen Kinder auch ganz dringend glückliche Eltern. Wir SIND glücklich und das ist wunderbar. Viel wichtiger, als alles andere....


    Ganz liebe Grüße
    Lilo

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Ich bin gespannt und freue mich sehr über ein paar ehrliche Worte :)
(Kommentare werden erst moderiert, nicht wundern!)