Dienstag, 17. Juni 2014

Vom "Über sich hinaus wachsen"

Die Große hat in den letzten Wochen einen Schwimmkurs besucht. Wir sind zwei mal in der Woche hingegangen und ich habe viele weinende Kinder gesehen. Ich habe oft gezweifelt ob es gut ist, was wir da machen, aber die Große wollte unbedingt schwimmen lernen. Unbedingt!

Die Große wird in wenigen Wochen sieben. Sie hat gerade lesen, schreiben und rechnen gelernt, geht gern zur Schule und hat viele neue Freunde gefunden. Sie ist so ein glückliches und ausgeglichenes Mädchen geworden. Sie schimpft mitunter und motzt rum, ist entnervt und findet fast alles absolut "ungerecht". Z.B. die Größe der Erdbeeren in ihrem Schälchen, oder die Länge der Gute-Nacht-Geschichte, die Anzahl ihrer Röcke im Schrank oder die Farbe ihrer neuen Schuhe.
Sie hat letztens bei einer Freundin übernachtet und räumt immer mal wieder ihr kleines Zimmer um.

Und sie hat diesen Schwimmkurs gemacht.
Jeden Dienstag und Donnerstag ist sie mit mir, ihrer kleinen Schwester und zittrigen Beinen zur Schwimmhalle gegangen, hatte Angst und hat nicht selten vorher geweint. Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass das "nur" ein Schwimmkurs ist, dass sie da nicht hingehen muss, dass es ganz egal ist, ob wir Geld dafür bezahlt haben, aber dass sie ihn nicht machen muss wenn sie Angst hat. Dass sie nächstes oder übernächstes Jahr noch schwimmen lernen kann. Auch ohne Kurs. Dass sie nichts machen muss, wovor sie Angst hat.

Und an jedem Schwimmkurstag sagte sie, dass sie noch dieses eine Mal hingeht und es dann sein lässt.
Aber sie hat es doch immer wieder versucht und sich überwunden. Sie ist an diesem Beckenrand so über sich hinausgewachsen, dass ich es selbst manchmal nicht fassen konnte.
Noch vor einem Jahr wäre das undenkbar gewesen. Sie wäre nie im Leben allein mit dem Schwimmlehrer mitgegangen oder ins Wasser gesprungen. Sie hätte wie einige andere Kinder des Kurses weinend neben den schwimmenden Kindern gestanden und wäre so enttäuscht von sich selbst gewesen.

Von den ursprünglich 16 angemeldeten Kindern sind jetzt noch 10 übrig. Viele hatten und haben Angst, viele Kinder weinten während des Schwimmens und weinen immer noch. Und es bricht mir fast das Herz wenn ich das sehe. Dann denke ich an die Große, wie sie bei jeder Kindergartenaufführung weinte vor Aufregung und schließlich doch nicht mitmachte. Wie traurig sie deshalb immer war. Wie gern sie es doch gemacht hätte wie die anderen Kinder.
Aber diesmal wollte sie es unbedingt. Sie wollte es schaffen. Sie wollte diesen Kurs unbedingt machen. Jedes mal war sie so stolz und glücklich wenn sie wieder eine Stunde geschafft hatte.
Wahnsinn.



Heute nun war die Prüfung. Als ich sie aus der Schule holte fragte sie immer wieder "Glaubst du, dass ich es schaffe, Mama?" Und ich sagte "Ich glaube ganz fest an dich!"
Vor der Schwimmhalle weinte sie wieder. Vor Aufregung. Vor Angst es nicht zu schaffen. Und ich versicherte ihr immer wieder, dass es egal ist wie der Kurs ausgeht, weil sie nämlich diesen ganzen Kurs gemacht hat und schwimmen kann. Egal ob nun 15 oder die erforderlichen 25 Meter.

Und was soll ich sagen: Sie hat es geschafft!
Sie ist über sich hinausgewachsen!
Ihr hättet ihre leuchtenden Augen sehen sollen (und mich, wie ich geheult habe vor Rührung als mein Kind, MEIN KIND, nach 25 Metern nonstop schwimmen die Beckenleiter erreicht hat!) und wie stolz sie auf sich war.

Hach, ich könnte schon wieder weinen. *seufz* Mein großes Mädchen!



Mittwoch, 4. Juni 2014

Nach dem Unkraut ist vor dem Unkraut - Im Garten von Halitha #2

Im letzten Jahr, kurz vor der Einschulung unserer Großen, kauften wir uns einen Garten. Ihr erinnert euch bestimmt noch an all die wunderschönen Wimpel, die dann schließlich unseren Garten schmückten!
Wir übernahmen den Garten von einer Familie, die seit Jahren keine Zeit mehr für diesen Garten hatte. Überall wucherten die Pflanzen, Beete konnte man nur noch erahnen, die Hütte fiel fast auseinander - aber wir haben ihn gesehen und wussten, dass wir genau diesen Garten haben wollten. Mein Mann und auch ich sind im Grünen und mit großer Verbundenheit zur Natur aufgewachsen. Und wenn man dann in einer kleinen Stadtwohnung lebt, ist man nicht selten dem Wahnsinn nahe.
Hier kommt daher jetzt die Serie zu unserem Garten und der unendlichen Geschichte des Unkrauts Wildkrauts, von glücklichen Kindern und erschöpften, aber zufriedenen Eltern.


Heute geht es weiter mit den ersten Veränderungen, die wir letztes Jahr trafen: Und zwar jene für die Kinder.
Bevor wir uns überhaupt ans Umgraben der Beete und Sanieren der Hütte machten, stellten wir einen Sandkasten und die Kinderküche auf, die Herr Halitha vor 5 Jahren aus Holz baute. Beides beizten wir mit wetterbeständiger Holzlasur und dann gab es kein Halten mehr. Aus Sand, Blüten, Blättern, Gras und Regenwasser kann man köstliche Menüs herstellen (und sich natürlich auch großartig panieren ;) )!
In einem Garten gibt es bekanntermaßen immer etws zu entdecken und Langeweile kommt nur selten auf, egal bei welchem Wetter.














In einer anderen Ecke des Gartens, unter der Haselnuss (die immer wieder gern von der Großen erklettert wird) stand (oder steht immernoch) ein altes Schaukelgestell, das Herr Halitha kurzerhand erweitert hat. Man muss dazu sagen, dass wir kaum etwas planen. Meistens entsteht das alles aus einer fixen Idee heraus. Wir sind uns da sehr ähnlich: Einer von uns hat eine Idee, die er am liebsten sofort umgesetzt haben möchte und eigentlich können wir dann auch immer den anderen begeistern. Dafür liebe ich meinen Mann ganz besonders <3
In diesem Frühjahr haben wir dann noch eine Pavillon-Seitenwand vor die Schaukeln gestellt und ein paar rankende Pflanzen davor ausgesäht, die hoffentlich ganz schnell nach oben wachsen - denn jedes Kind sollte die Möglichkeit haben auch unbeobachtet spielen zu dürfen!

Jetzt stehen also zwei Schaukeln im Garten. Wobei wir auch glatt drei gebrauchen könnten ;)